Von der chinesischen Hand zum sportlichen Karate

Die Saga der Hand

Die Ryūkyū-Inseln und die Ent­ste­hung von Ti

Hoch über den sil­ber­glän­zen­den Wogen des Ost­chi­ne­si­schen Mee­res lag einst ein Reich, geschmückt mit Paläs­ten, Tem­peln und grü­nen Hügeln, vom Wind geformt, vom Regen gezeich­net, von Son­ne geküsst. Dies waren die Ryūkyū-Inseln, ein König­reich, das von 1429 bis 1879 unter der Sho-Dynas­tie unab­hän­gig regier­te, bis es von Japan annek­tiert wur­de. Hier, an den Küs­ten und in den Tälern des König­reichs, ver­ban­den sich Him­mel und Erde, Mensch und Natur, Han­del und Weis­heit.

In die­sen Lan­den wuchs eine Kunst, die Kör­per, Geist und See­le for­men soll­te – Ti, die ursprüng­li­che Hand­kampf­tech­nik. Ti war rein kör­per­lich, roh und kraft­voll: Rin­gen, Wer­fen, Fas­sen, Sto­ßen. Jede Bewe­gung war Aus­druck von Stär­ke, Balan­ce und Tech­nik; Hebel und Wür­fe lehr­ten Geduld, List und Kör­per­be­herr­schung. Ti — im Gan­zen — lehr­te, dass der Kör­per das Werk­zeug und der Geist der Füh­rer ist.

Vom Ch’uan Fa zum Tōde – Saku­ga­wa und die Ver­ei­ni­gung der Küns­te

Im 14. Jahr­hun­dert segel­ten Schif­fe aus dem Süden in die Häfen des König­reichs. Die 36 Fami­li­en aus Chi­na kamen, Boo­te bela­den mit Schrift­rol­len, Sei­de, Werk­zeu­gen und Wis­sen. Sie brach­ten das Erbe ihrer Vor­fah­ren, dar­un­ter das Ch’uan Fa, die chi­ne­si­sche Faust­kunst, die Atem, Ener­gie und inne­re Kraft in sich trug. In Kume­mu­ra grün­de­ten sie Häu­ser und Schu­len, Gär­ten und Werk­stät­ten, und ihre Weis­heit ver­schmolz Jahr­hun­der­te spä­ter mit dem Ti des König­reichs Ryūkyū.

Im 18. Jahr­hun­dert trat Kan­ga Saku­ga­wa (1733–1815) her­vor, Schü­ler des wei­sen Taka­ha­ra Pei­chin. Saku­ga­wa lern­te die Kata Kus­han­kū im König­reich von einem Meis­ter glei­chen Namens, der sie aus Chi­na über­mit­telt hat­te, und ver­ein­te das geer­de­te Ti Ryūkyū‘s mit der flie­ßen­den Kraft des Ch’uan Fa. So ent­stand das Tōde, die „Hand aus Chi­na“. Kata wur­den leben­di­ge Lehr­bü­cher, Rhyth­mus, Timing, Distanz, Stra­te­gie, Yin und Yang, Nach­gie­big­keit und Kraft ver­schmol­zen mit den vier Ele­men­ten. Mehr­mals reis­te Saku­ga­wa nach Chi­na, ver­tief­te sei­ne Kennt­nis­se und kehr­te zurück, um auf Ryūkyū sei­ne Schü­ler zu leh­ren.

Aus Saku­ga­was Schü­lern erwuch­sen die Lini­en der Meis­ter. Mat­su­mura Sōkon (1809–1899), ein uner­müd­li­cher Krie­ger, trug das Erbe in sich und ent­wi­ckel­te das Shōrin-ryū, aus dem die Sti­le Shu­ri-Te und Toma­ri-Te her­vor­gin­gen – schnell, prä­zi­se, kraft­voll, mit dem Geist eines Adlers und der See­le eines Flus­ses. Mat­su­mura ver­band das Tōde mit der mora­li­schen Stär­ke des Schü­lers und lehr­te, dass Tech­nik nur im Ein­klang mit inne­rer Dis­zi­plin und ethi­scher Ver­ant­wor­tung wirk­sam ist. Par­al­lel ent­stand das Shō­rei-ryū, aus dem das Naha-Te her­vor­ging, weich und flie­ßend, getra­gen von Atem, inne­rer Ener­gie und Nah­kampf­tech­ni­ken. Kan­ryō Higaon­na (1853–1915), Schü­ler chi­ne­si­scher Meis­ter, ent­wi­ckel­te die­se For­men in Naha und lehr­te die Ver­bin­dung von Kraft, Nach­gie­big­keit und inne­rer Sta­bi­li­tät.

1897 anek­tier­te Japan das König­reich Ryūkyū und wur­de seit­her als Oki­na­wa (Land in der offe­nen See“ oder „Inseln in wei­ter See“ benannt.

Im Jah­re 1907 trat Ankō Ito­su (1831–1915) auf, der das Tōde in die Schu­len Oki­na­was brach­te. Er ver­ein­fach­te die kom­ple­xen Kata für Kin­der und ent­wi­ckel­te die Pinan-Kata, die aus klas­si­schen Kata wie Pas­sai, Kus­han­kū, Jion und ande­ren ent­stan­den. Ito­su wähl­te Hal­tun­gen und Bewe­gun­gen, die er für die Selbst­ver­tei­di­gung am wich­tigs­ten erach­te­te, und schuf damit eine Brü­cke zwi­schen der alten Kunst und dem Unter­richt in Schu­len. Die Pinan-Kata wur­den Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis der Prin­zi­pi­en des Tōde, zur Schu­lung von Kör­per, Geist und Bewe­gungs­lo­gik, ohne die Tie­fe der älte­ren For­men zu ver­lie­ren.

Funa­ko­shi, die Schu­le Japans und die Moder­ne des Kara­te

Unter Ito­su begann Gichin Funa­ko­shi (1868–1957) sei­ne Rei­se. Er stu­dier­te beson­ders inten­siv die Naihan­chi-Kata, die er zehn Jah­re lang übte. Die­se Form – heu­te als Tek­ki-Kata bekannt – lehr­te Erdung, Hüft­kraft, Sta­bi­li­tät und inne­re Ruhe, die spä­ter das Fun­da­ment des moder­nen Kara­te bil­de­ten. Als Funa­ko­shi das Kara­te nach Japan brach­te, nann­te er das Tōde (chi­ne­si­sche Hand) in Kara­te (lee­re Hand) um. Mit die­ser bewuss­ten Umdeu­tung woll­te er die Kunst stär­ker in die japa­ni­sche Kul­tur ein­bin­den und die Phi­lo­so­phie der Selbst­über­win­dung beto­nen: Nicht die Waf­fe, son­dern der Mensch selbst ist das Werk­zeug der Kraft.

In Oki­na­wa wur­de das Wis­sen tra­di­tio­nell im Men­kyo-Sys­tem wei­ter­ge­ge­ben – einem Leh­rer-Schü­ler-Sys­tem, das die Tie­fe und Voll­stän­dig­keit der Über­tra­gung doku­men­tier­te. In Japan wan­del­te Funa­ko­shi die­ses Sys­tem und führ­te das von Jigo­ro Kano (1860–1938), dem Begrün­der des Judo, über­nom­me­ne Kyū-Dan-Sys­tem ein. Kano hat­te die Idee ursprüng­lich aus dem stra­te­gi­schen Brett­spiel Go ent­lehnt, in dem die Spiel­stär­ke der Spie­ler über Rän­ge bezeich­net wur­de. Funa­ko­shi über­nahm die­ses Prin­zip und mach­te die Fort­schrit­te sei­ner Schü­ler durch Gür­tel­gra­de sicht­bar – ein Sym­bol für den Weg von der Unwis­sen­heit (weiß) zur Erfah­rung und Meis­ter­schaft (schwarz). So ver­band er die spi­ri­tu­el­le Tie­fe Oki­na­was mit der struk­tu­rier­ten Päd­ago­gik Japans.

In Japan form­te Funa­ko­shi das Kara­te wei­ter: Die Pinan-Kata wur­den zu den Hei­an-Kata, die Bewe­gun­gen linea­rer, Über­gän­ge kla­rer, die Metho­dik sys­te­ma­ti­scher. Die ursprüng­li­chen Yin-Yang-Prin­zi­pi­en und die Leh­re der Ele­men­te tra­ten in den Hin­ter­grund, wäh­rend Kara­te als mora­li­sche und kör­per­li­che Dis­zi­plin unter­rich­tet wur­de. Sein Sohn Funa­ko­shi Yoshit­a­ka (1906–1945) ver­än­der­te die Bewe­gungs­äs­the­tik grund­le­gend und führ­te die tie­fen Stän­de ein, die bis heu­te das Sho­to­kan-Kara­te prä­gen – Aus­druck von Kraft, Sta­bi­li­tät und inne­rer Hal­tung.

Die abschlie­ßen­de Stan­dar­di­sie­rung erfolg­te durch Masa­to­shi Naka­ya­ma (1913–1987) mit der Grün­dung der Japan Kara­te Asso­cia­ti­on (JKA) im Jahr 1949. Er eta­blier­te die drei Säu­len Kihon (Grund­schu­le), Kata (Form) und Kum­ite (Kampf), mach­te Kara­te inter­na­tio­nal ver­gleich­bar und berei­te­te den Weg zum Wett­kampf­sport.

Heu­te wird Kara­te in vie­len Schu­len und Ver­ei­nen fast aus­schließ­lich als Sport unter­rich­tet. Die ursprüng­li­chen Prin­zi­pi­en von Yin und Yang und die vier Ele­men­te – Erde, Was­ser, Feu­er und Luft – wer­den kaum noch gelehrt. Kata die­nen meist der Prü­fung oder dem Wett­kampf, wäh­rend die tie­fe­re Bedeu­tung und Selbst­ver­tei­di­gungs­funk­ti­on nur noch sel­ten erkannt wird. Ursprüng­lich war Kara­te tief ver­wur­zelt im Ti, das im König­reich Ryūkyū auch Rin­gen, Hebel- und Wurf­tech­ni­ken beinhal­te­te. Die­se Aspek­te sind in der moder­nen Pra­xis weit­ge­hend ver­lo­ren gegan­gen – heu­te domi­nie­ren Trit­te, Schlä­ge und Blö­cke. So ist Kara­te zu einem moder­nen Sport der Dis­zi­plin und Kör­per­be­herr­schung gewor­den, der jedoch sei­ne phi­lo­so­phi­sche, ener­ge­ti­sche und selbst­ver­tei­di­gen­de Tie­fe oft hin­ter sich gelas­sen hat.

Jede Art und jeder Stil des Kara­te hat sei­ne Berech­ti­gung. Wer Kara­te prak­ti­ziert, soll­te sich bewusst fra­gen, wel­ches Ziel er ver­folgt: Wett­kampf­sport, Brei­ten­sport oder Selbst­ver­tei­di­gung. Die Hal­tun­gen blei­ben in allen Wegen gleich, doch die Bewe­gun­gen und ihre Anwen­dung müs­sen dem Ziel ange­passt wer­den. Nur wer die Inten­ti­on sei­nes Trai­nings erkennt, kann Kör­per, Geist und Tech­nik in Ein­klang brin­gen – sei es zur sport­li­chen Leis­tung, zur per­sön­li­chen Ent­wick­lung oder zur rea­len Selbst­ver­tei­di­gung.

So bleibt die Essenz von Kara­te leben­dig – als ein Weg der Acht­sam­keit, Dis­zi­plin und inne­ren Har­mo­nie, der sei­ne Wur­zeln in der Geschich­te bewahrt, aber in jedem Men­schen neu Gestalt annimmt.


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Bei 0-4 Ja-Antworten: Es ist eine gute Idee, mehr Bewegung in deinen Alltag zu integrieren. Du könntest zum Beispiel mit kurzen Spaziergängen beginnen, die Treppe statt den Aufzug nehmen oder kleine Dehnübungen machen. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken und dir helfen, dich fitter und wohler zu fühlen!

Bei 5-8 Ja-Antworten: Du bist schon ziemlich aktiv und hast gute Gewohnheiten! Es gibt noch Raum für Verbesserungen, zum Beispiel durch regelmäßigere Bewegung oder den Besuch eines Kurses. Mit kleinen Schritten kannst du deine Fitness noch weiter steigern und dich noch energiegeladener fühlen!

Bei 9-10 Ja-Antworten: Super! Du tust bereits alles, um deinen Körper in Bewegung zu halten und dich wohlzufühlen. Deine Gewohnheiten sind vorbildlich, und du bist auf einem sehr guten Weg. Weiter so – dein Körper wird es dir danken!

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